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Der „Turnerheim-Bunker“

Erinnerungen an die Benutzung des Felsenkellers der ehemaligen Brauerei Carl Gelbert in den Jahren 1944/1945 als Luftschutzkeller

„Die Stadt ist gegen feindliche Flieger gut geschützt. Überall am Stadtrand sind Flakgeschütze aufgestellt, die den Feind rechtzeitig verfolgen“. Diese sicherlich von so manchem Einwohner vertretene Meinung schrieb Gretel Wagner am 9. September 1939 in das von ihr geführte, im hiesigen Stadtarchiv aufbewahrte Kriegstagebuch. Der anfängliche Optimismus sollte sich im Laufe des Krieges in’s Gegenteil verkehren: Es mangelte nicht nur an der Luftverteidigung, sondern es fehlte in dem sich ausdehnenden und zunehmend gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Luftkrieg im innerstädtischen Bereich Kaiserslauterns an bombensicheren Schutzräumen. Deshalb hatten die für den örtlichen Luftschutz Verantwortlichen im Jahr 1943 am Stadtrand gelegene, in Felsen gehauene ehemalige Bierkeller für Schutzsuchende zugänglich gemacht. Es ist anzunehmen, dass der am 7. Januar 1944 erfolgte, immerhin 89 Menschenleben auslöschende Luftangriff auch die Nutzbarmachung des Bierkellers der einstigen Brauerei Carl Gelbert beschleunigte. (Er befindet sich unter dem jetzt zur Meisterschule für Handwerker zählenden ehemaligen Turnerheimgelände). Zur Verwirklichung dieses Vorhabens musste ein Problem gelöst werden: In den verzweigten Stollen des Felsenkellers lagerte eine Menge Erdaushub. Man hatte ihn laut Schilderung meines Lehrers Fritz Pahler während der Errichtung der direkt gegenüberstehenden Meisterschulgebäude (1926-1928) in die für ihren ursprünglichen Zweck längst nicht mehr benötigten Stollen geschüttet. Das Gleiche geschah laut Hinweis von Johannes Straub auch, als 1933 auf dem Gelände des Turnerheims eine Turnhalle errichtet wurde.
Für die Ausräumarbeiten waren internierte italienische Soldaten eingesetzt. (Ihre Unterkunft befand sich nach Aussage von Dr. Kurt Weidmann in der Bender’schen Kellereiwirtschaft, Ecke Haspelstraße/Am Vogelgesang. Schubkarrenweise musste das Erdreich aus der Tiefe emporgeschafft werden. Man füllte mit ihm eine gegenüber der Turnerheim-Gaststätte zwischen Straße und Meisterschule befindlich gewesene Böschung auf. Um die mühselige, zeitaufwendige Arbeit schneller zum Abschluss zu bringen, wurden schließlich Schüler der Meisterschule stundenweise dazu abgeordnet, um die 10 bis 12 Italiener in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. (Die Schreinerlehrlinge blieben davon ausgenommen, da sie während ihres praktischen Unterrichts kriegswichtige Aufgaben zu erfüllen hatten. Sie fertigten z.B. Munitionskisten an und behoben Fensterschäden.)
Das Ausräumen und die erforderlichen Maurer- und Elektroarbeiten sowie das Montieren der Spezialtüren waren noch nicht abgeschlossen, als der Felsenkeller bei Alarmen bereits aufgesucht wurde. Bei den immer kürzer werdenden Vorwarnzeiten durften wir beruhigt sein, nur noch die Straße überqueren zu müssen, um Schutz zu finden. Es vergingen Monate, bis die Stollen ihre neue Aufgabe als „Turnerheim-Bunker“ voll und ganz erfüllen konnten. Von der Ottostraße aus (oberhalb dem Haus Nr. 19) sowie von der Straße „Am Turnerheim“ aus zugänglich, wurde er für viele Menschen wegen der zahlreichen Fliegeralarme in der sich anbahnenden Schlussphase des Krieges bei Tag und Nacht zu einer sicheren, hoffentlich nie wieder benötigten Zufluchtsstätte.
Wilhelm Barz • Kaiserslautern, im Januar 2014

zum Download:
Der Turnerheim-Bunker Wilhelm Barz

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      „Die Stadt ist gegen feindliche Flieger gut geschützt. Überall am Stadtrand sind Flakgeschütze aufgestellt, die den Feind rechtzeitig verfolgen“. Diese sicherlich von so manchem Einwohner vertretene Meinung schrieb Gretel Wagner am 9. September 1939 in das von ihr geführte, im hiesigen Stadtarchiv aufbewahrte Kriegstagebuch. Der anfängliche Optimismus sollte sich im Laufe des Krieges in’s Gegenteil verkehren: Es mangelte nicht nur an der Luftverteidigung, sondern es fehlte in dem sich ausdehnenden und zunehmend gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Luftkrieg im innerstädtischen Bereich Kaiserslauterns an bombensicheren Schutzräumen. Deshalb hatten die für den örtlichen Luftschutz Verantwortlichen im Jahr 1943 am Stadtrand gelegene, in Felsen gehauene ehemalige Bierkeller für Schutzsuchende zugänglich gemacht. Es ist anzunehmen, dass der am 7. Januar 1944 erfolgte, immerhin 89 Menschenleben auslöschende Luftangriff auch die Nutzbarmachung des Bierkellers der einstigen Brauerei Carl Gelbert beschleunigte. (Er befindet sich unter dem jetzt zur Meisterschule für Handwerker zählenden ehemaligen Turnerheimgelände). Zur Verwirklichung dieses Vorhabens musste ein Problem gelöst werden: In den verzweigten Stollen des Felsenkellers lagerte eine Menge Erdaushub. Man hatte ihn laut Schilderung meines Lehrers Fritz Pahler während der Errichtung der direkt gegenüberstehenden Meisterschulgebäude (1926-1928) in die für ihren ursprünglichen Zweck längst nicht mehr benötigten Stollen geschüttet. Das Gleiche geschah laut Hinweis von Johannes Straub auch, als 1933 auf dem Gelände des Turnerheims eine Turnhalle errichtet wurde. Für die Ausräumarbeiten waren internierte italienische Soldaten eingesetzt. (Ihre Unterkunft befand sich nach Aussage von Dr. Kurt Weidmann in der Bender’schen Kellereiwirtschaft, Ecke Haspelstraße/Am Vogelgesang. Schubkarrenweise musste das Erdreich aus der Tiefe emporgeschafft werden. Man füllte mit ihm eine gegenüber der Turnerheim-Gaststätte zwischen Straße und Meisterschule befindlich gewesene Böschung auf. Um die mühselige, zeitaufwendige Arbeit schneller zum Abschluss zu bringen, wurden schließlich Schüler der Meisterschule stundenweise dazu abgeordnet, um die 10 bis 12 Italiener in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. (Die Schreinerlehrlinge blieben davon ausgenommen, da sie während ihres praktischen Unterrichts kriegswichtige Aufgaben zu erfüllen hatten. Sie fertigten z.B. Munitionskisten an und behoben Fensterschäden.) Das Ausräumen und die erforderlichen Maurer- und Elektroarbeiten sowie das Montieren der Spezialtüren waren noch nicht abgeschlossen, als der Felsenkeller bei Alarmen bereits aufgesucht wurde. Bei den immer kürzer werdenden Vorwarnzeiten durften wir beruhigt sein, nur noch die Straße überqueren zu müssen, um Schutz zu finden. Es vergingen Monate, bis die Stollen ihre neue Aufgabe als „Turnerheim-Bunker“ voll und ganz erfüllen konnten. Von der Ottostraße aus (oberhalb dem Haus Nr. 19) sowie von der Straße „Am Turnerheim“ aus zugänglich, wurde er für viele Menschen wegen der zahlreichen Fliegeralarme in der sich anbahnenden Schlussphase des Krieges bei Tag und Nacht zu einer sicheren, hoffentlich nie wieder benötigten Zufluchtsstätte. Wilhelm Barz • Kaiserslautern, im Januar 2014 zum Download: Der Turnerheim-Bunker Wilhelm Barz

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